Side
 

Auf Augenhöhe – Gleichberechtigung zwischen Eltern und Kind als Schlüssel zum Familienglück


Auf Augenhöhe

Gleichberechtigung zwischen Eltern und Kind als Schlüssel zum Familienglück

Wir sind Elo und Auna, Eltern von zwei wundervollen Kindern. Unsere Tochter Lua ist vier Jahre Alt und unser Sohn Moa 1½. Was unsere Familie auszeichnet, ist ein Leben auf Augenhöhe. Unsere Kinder sind vollwertige Persönlichkeiten und Teil einer Familie, in der jeder gleiches Mitspracherecht hat. Was das im Alltag bedeutet und wie es dazu kam, erzählen wir hier.

Von Partygängern zu bewussten Eltern

Als Lua den Weg zu uns fand, waren wir alles andere als darauf eingestellt Eltern zu werden. Wir lebten von einer Party zur nächsten und machten uns nicht allzu viele Gedanken über Morgen und andere anstrengende Dinge.

Zu wissen, dass ein kleines Wesen bei uns war, stellte uns vor eine Aufgabe, für die wir unsere Art zu leben grundlegend ändern mussten. Dieser kleine Mensch in Aunas Bauch war uns wichtiger als die oberflächlichen Dinge, die uns bis dahin ausfüllten. Das war für uns beide sofort klar. Wir wollten alles besser machen, als wir es erlebt hatten. Genau genommen, wollten wir die besten Eltern sein, die es gibt.

Wir kauften uns Bücher. Eines der ersten war „Die Suche nach dem verlorenen Glück“ von Jean Liedloff.

Andere prägende waren „Seelisches Erleben vor und während der Geburt“ von Ludwig Janus und „Der erste Augenblick des Lebens: der Einfluss der Geburt auf die Heilung von Mensch und Erde“ von Willi Maurer.

All diese Bücher hatten gemeinsam, dass sie dem Kind viel mehr Bewusstsein und Selbstständigkeit zutrauten, als die allgemeine Sicht der Erwachsenen den Kindern zumutet. Wir waren begeistert! Kinder sind perfekte Wesen, denen man nur noch den nötigen Entfaltungsraum geben muss und sonst nichts.

Wir waren uns sicher, dass nichts schief gehen konnte, wenn wir dem kleinen Wesen, das in Aunas Bauch inzwischen schon richtig gross geworden war, einfach nur genug Aufmerksamkeit und Raum geben würden.

augenhoeheReicht Aufmerksamkeit ?

Lua kam bei uns zu Hause zur Welt. Nur wir drei, Papa Elo, Mama Auna und Lua waren da. Es war einfach überwältigend. Das Erlebnis der Geburt übertraf alles, was wir uns vorgestellt hatten.

Wir verbrachten die ersten Tage nach der Geburt in einem sehr zaubrigen Zustand. Wir waren total im Augenblick und einfach glücklich.

Lua forderte von Anfang an sehr viel Aufmerksamkeit. Wir gaben was wir konnten, waren von von früh bis spät für sie da, natürlich auch nachts. Denn schlafen konnte sie nie lange am Stück. Wir waren überzeugt, dass sie mit der Zeit nicht mehr so viel Aufmerksamkeit brauchen würde. Irgendwann wäre sie gesättigt davon und um die Erfahrung reicher, dass alles was sie braucht immer da ist. In den Grundzügen war dieser Gedanke richtig. Nur eine kleine aber sehr wichtige Sache erkannten wir damals noch nicht.

Lua wurde zum Mittelpunkt der Familie. Sie brauchte so viel Aufmerksamkeit, dass sich einfach alles nur noch um sie drehte. Das war enorm anstrengend für uns und inzwischen glaube ich, es war auch sehr anstrengend für sie. Zuneigung und Aufmerksamkeit ist nicht immer dasselbe. Um diese Einsicht sind wir inzwischen reicher. Doch erst ging es zwei Jahre weiter, mit Lua im Mittelpunkt. Immer mit der Vision vor Augen, dass sie irgendwann genug gemerkt haben würde, dass wir für sie da sind, gaben wir ihr alle Aufmerksamkeit, die sie von uns wollte. Die Wende kam mit Moa.

Raum geben für die Familie

Vom ersten Moment an war uns Moa als vollwertige Persönlichkeit in Aunas Bauch bewusst. Wir spürten ihn und sprachen mit ihm. Er war einfach da, genau so da, wie wenn er schon ausserhalb des Bauches gewesen wäre.

Solange er im Bauch war, konnte Lua die Familienmitte noch halten, doch nach seiner Geburt, war das einfach nicht mehr möglich. Es war jetzt ein zweiter kleiner Mensch da, der ebenso viel Zuneigung brauchte.

Wir hätten jetzt den Platz in der Mitte einfach durch zwei teilen, oder Lua daraus verdrängen und Moa dafür einsetzen können. Zum Glück taten wir etwas ganz anderes. Wir machten die Mitte frei.
Wir erklärten Lua die Situation, setzten uns symbolisch in einem Kreis um eine leere Mitte und zeigten ihr, dass sie bis jetzt immer in der Mitte gesessen hat. Nun sei die Zeit gekommen, dass sie mit uns im Kreis platz nimmt. Genauso wie Moa. Wir spürten ganz deutlich, dass das die Grundvoraussetzung für eine harmonische Entwicklung unserer Familie war. Anfangs tat sie sich sehr schwer damit. Immer wieder, wenn wir uns in den Kreis setzten, probierte sie die Mitte zu erobern, oder wenigstens einen Fuss oder eine Hand in die Mitte zu halten. Wir beharrten darauf, dass die Mitte frei bleiben soll, bis sie es zu akzeptieren begann. Ich bin mir sicher, dass wir damit die Voraussetzung für das Familienleben schufen, das wir jetzt leben. Ein Leben auf Augenhöhe.

Wie im kleinen so im grossen – oder was in Familien funktioniert, kann die Welt verändern !

Ich denke, dass dieser symbolische Raum in der Mitte der Grund für viele Schwierigkeiten in Familien ist. Früher war er vom Vater besetzt und von der Mutter, heute wird er auch von den Kindern besetzt. Das eigentliche Problem aber ist, dass er überhaupt besetzt ist. Solange es in einer Gruppe eine bevorzugte Position gibt, kann keine echte Gruppendynamik entstehen. Das gilt für Unternehmen, für Staaten und natürlich auch für Familien. Die Familie kann der Entstehungsort von neuen Möglichkeiten des Zusammenlebens sein, die im Grossen angewandt werden können, nachdem sie im kleinen funktionieren. Familien können die Welt verändern!

Die Erfahrungen die wir mit dem Konzept „auf Augenhöhe“ machen, sind überwältigend. Sind erst einmal alle damit einverstanden, dass der Raum in der Mitte frei bleibt, wird die Mitte zur gemeinsamen Quelle der Kraft. Alle geben in die Mitte und bekommen aus der Mitte. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, jeder ist gleichwertig und jeder trägt genauso zum Familienwohl bei wie alle anderen. In diesem Gefüge trägt unser kleiner Moa genau so viel Verantwortung wie Papa Elo. Es geht dabei nicht um physische Dinge, sondern um das Mittragen der Familienenergie. Es ist das Bewusstsein jedes Einzelnen darüber, dass er essentiell für das Familienglück ist und aktiv dazu beiträgt, oder eben nicht. Egal wie gross oder wie klein er ist.

Konfrontation als Schlüssel zur Selbstverantwortung

Das bedeutet nicht, dass wir keinen Streit oder Auseinandersetzungen mehr hätten. Es geht manchmal sehr wild und turbulent bei uns zu. Aber diese Turbulenzen drehen sich nicht darum, wer den Raum in der Mitte bekommt, sprich wer das sagen hat, am meisten Aufmerksamkeit bekommt etc.
Es sind Auseinandersetzungen, in denen wir uns spüren lernen und an denen jeder einzelne enorm wächst, weil sie auf Augenhöhe stattfinden. Auseinandersetzungen, in denen auch der 1½ jährige Moa und die 4 jährige Lua ganz in ihrer Verantwortung für ihr Handeln stehen, genau so wie Mama und Papa.

Ein klassischer Auslöser für Auseinandersetzungen bei uns, ist zum Beispiel die Ordnung/Unordnung. Wir als Eltern sind nicht bereit ständig die Unordnung der Kinder aufzuräumen, wollen aber gleichzeitig, dass unser kleines Zuhause ordentlich ist. Die Kinder würde es offensichtlich von sich aus nicht stören in Unordnung zu leben. Mich und Auna aber schon. Würden wir eine Aufräumeregel durchgeben mit entsprechenden Konsequenzen bei nicht Einhaltung, würden wir uns als Eltern damit in die Mitte stellen. Wir würden unsere Bedürfnisse über die Bedürfnisse der Kinder stellen, was vielleicht nach einer einfachen Lösung aussieht. Die Kinder würden darüber aber bestimmt gekränkt sein, weil sie richtigerweise fühlen, dass das unfair ist. Unsere körperliche und mentale Überlegenheit dazu auszunutzen über sie zu bestimmen wäre unfair. Würden wir an diesem Verhalten festhalten, würden die Kinder nach Möglichkeiten suchen, dieses Ungleichgewicht an anderer Stelle wieder auszugleichen. Dort würden wir es wieder als unfair empfinden usw. Das wären dann die üblichen Familienprobleme, wie wir sie höchstwahrscheinlich alle als Kind erlebt haben.

Den Kindern einfach hinterher zu räumen würde sich für uns nicht richtig anfühlen. Wir würden das richtigerweise unfair finden, weil die Bedürfnisse der Kinder dann über unsere gestellt wären, was dazu führen würde, dass wir nach Gelegenheiten suchen würden, das wieder auszugleichen usw.

Was also tun? Es gibt keine einfachen Lösungen für solche Situationen. Es bleibt nur jeder beteiligten Person, ihre Meinung zu äussern und ihre Gefühle kund zu tun. Das kann auch mal laut werden, das ist ok. Aber immer mit Respekt zum Gegenüber. Werde ich laut und zeige meinen Frust, zeige ich im Anschluss immer auch noch meine Zuneigung. Ich sage dann zum Beispiel: „.. aber weisst du, ich habe dich Lieb, egal was du tust!“ und gebe einen Kuss. Damit werden auch „negative“ Gefühle zu akzeptierten Erscheinungen innerhalb des Familienalltags. Das ist ungeheuer wichtig, denn die Lösung für ein Problem entsteht daraus, dass alle Beteiligten offen ihre Gefühle zeigen. Wir lösen das Problem zwar nicht auf der Stelle, dafür dauerhaft, weil wir erlebt haben, was für Gefühle unser Handeln in unserer Umgebung ausgelöst haben und uns dadurch aus unserem Innern heraus anders verhalten.

Kindern ihre Verantwortung zugestehen

Unsere Kinder sind vollwertige Personen, die genau so auf dem Weg ihrer Entwicklung sind wie wir. Die genau so ihre Erfahrungen machen wollen und sollen, um daran zu wachsen.

augenhoehe

Wir verbieten unseren Kindern daher möglichst nichts. Wir lassen sie klettern, auch wenn wir kaum hinsehen können, lassen sie mit scharfen Messern hantieren, lassen sie selbständig Feuer machen, selber merken wann sie müde sind, was sie essen wollen, lassen Lua selbst erspüren, welche Filme ihr gut tun etc.

Wenn wir merken, dass sie Unterstützung brauchen, geben wir diese selbstverständlich. Sind wir von einem Film der Meinung, dass er zu aufreibend ist, erklären wir Lua, wieso wir das so sehen. Allerdings ohne dann zu bestimmen, ob sie den Film schauen darf oder nicht. Lua hat noch nie einen Film geschaut, mit dem wir wirklich nicht einverstanden gewesen wären. Sie hat unsere Bedenken nicht jedes mal als Anlass genommen etwas nicht zu tun, aber sie hat uns jedes mal zugehört und dann gut entschieden. Sie hat noch nie etwas geschaut oder getan, was wir wirklich nicht hätten verantworten können. Sie kann sehr gut abschätzen, was ihr gut tut und was sie sich zutrauen kann und was nicht.

Wenn jeder seine Verantwortung übernimmt, werden Verbote überflüssig

Ich bin überzeugt, dass ein Kind mit diesem Urteilsvermögen geboren wird. Wären da nicht die Erwachsenen, die mit ihrem Verhalten ständig anzeigen, dass das Kind seinem Urteilsvermögen nicht trauen kann, würde es dieses auch beibehalten. Ich gehe sogar noch weiter. Wir Erwachsenen haben noch nicht wieder zu unserem natürlichen Urteilsvermögen zurückgefunden. Stattdessen verwechseln wir gesellschaftlichen Konsens mit Urteilsvermögen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der der einzelne nicht die Verantwortung für sich übernimmt. Das liegt ganz einfach daran, dass wir mit Regeln und auferlegten Konsequenzen bei nicht Einhaltung aufgewachsen sind, anstatt die natürlichen Konsequenzen unseres Handelns beobachten zu können. Die echten Gefühle nämlich, die wir in unserer Umgebung damit auslösen. Wir haben dadurch verlernt eigenverantwortlich zu handeln. Stattdessen handeln wir so, wie es andere von uns erwarten.

Ein natürliches Urteilsvermögen entspringt der Eigenverantwortung. Es braucht keine Gesetzte und Regeln. Es ist viel grösser, als es alle Regeln der Welt je sein könnten. Es entspringt unserer eigenen Lebendigkeit und unserer tiefen inneren Weisheit.

Eine Chance für die Welt

Die hier beschriebene Familienform ist unsere Chance mit unseren Kindern gemeinsam zu lernen die volle Verantwortung für uns zu übernehmen und damit zu unserem natürlichen Urteilsvermögen zurück zu finden. Es ermöglicht uns und unseren Kindern gleichermassen unsere Potentiale zu entdecken und sie zu entfalten. Denn unser Potential entfaltet sich nur in der Freiheit der Eigenverantwortung.

Zu erspüren, wo die Mitte der Familie liegt und sie frei zu machen braucht viel Feingefühl. Den Kindern Vertrauen entgegenzubringen und sie Entscheidungen selbstständig treffen zu lassen braucht viel Mut. Und sich selbst genau so wichtig zu nehmen wie die anderen Familienmitglieder ist gewöhnungsbedürftig. Das Ergebnis aber ist, dass wir genau das finden, wonach wir immer gesucht haben. Einen Raum, in dem wir uns wirklich entfalten und entwickeln können und unseren Liebsten dasselbe ermöglichen. Die Familie ist nicht ein Ort, an dem die Eltern den Kindern zeigen wie das Leben funktioniert, sondern ein Ort, an dem Kinder und Erwachsene gemeinsam einen geschützten Raum bilden, in dem sich alle gemeinsam Entfalten können.


AutorenvorstellungÜber die Gastautoren

Wir sind Elo und Auna. Eltern von zwei wundervollen Kindern, Lua 4 Jahre und Moa 1½ Jahre. Wir lieben das Abenteuer Leben, sind gerne auf Reisen, lassen unsere Kinder frei und glücklich aufwachsen, lieben die vegane Rohkost und haben ein Auge für die Dinge hinter den Dingen.
Wir sind Youtuber, haben gerade einen Blog gestartet und sind daran, uns mit diversen Projekten ein freies, ortsunabhängiges Leben zu gestalten.

Ihr findet uns auf unserem YouTube Channel – Elo und Auna

Hey, ich bin Mary Mattiolo!

Geboren 1989, Querdenkerin, Veganerin, Rebellin und Mama von einer Tochter (2007) und zwei Söhnen (2010 und 2012), allesamt Freilernerreise seit 2016 im Bus um die Welt und verzaubere als WebdesignerinFunnel-Expertin und Technik-Nerd die Köpfe der Menschen!

Ich helfe Online-Unternehmerinnen, meist Müttern, die weniger Aufwand für die Kundengewinnung, dafür mehr Zeit für ihr Business und vor allem ihre Familie wollen, durch Funnel-Marketing immer wiederkehrende Prozesse zu automatisieren, sowie durch gezielte Funnel, aus Interessenten Kunden zu machen!