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Die (Haus-) Geburt aus Männersicht


Die (Haus-) Geburt aus Männersicht

Vorab, der Artikel erhebt keinerlei Anspruch auf medizinische Genauigkeit sondern stellt lediglich meine Sicht der Dinge auf das Wunder der Geburt meiner beiden Kinder dar.
Außerdem möchte ich mich hier wirklich ausschließlich auf das Thema Geburt konzentrieren. Den ganzen Tamtam davor (Schwangerschaft) und danach findet Ihr peu à peu auf unserem Blog / Vlog bzw. im Geburtsvorbereitungskurs für Männer.

Addendum – bitte liebe Frauen, fühlt euch nicht auf den Schlips getreten. Ich schreibe gerne etwas lustig, die Welt ist schon ernst genug. Außerdem richtet sich der Teil hier jetzt wirklich in erster Linie an eure Göttergatten und Männer sprechen ja bekanntermaßen ohnehin eine andere Sprache.

Und jetzt gehts los.

Die Geburt – meine lieben Leidensgenossen, eins sei euch gesagt.

Auch wenn IHR gemeinsam schwanger wart.
Auch wenn IHR gemeinsam ein Kind erwartet.
Auch wenn IHR gemeinsam im Zuge der Schwangerschaft beide einige Pfunde zugelegt habt …

… das Kind kommt bei eurer besseren Hälfte raus, da könnt ihr noch so mitpressen.

Meine beiden Kinder hatten das erstaunliche Timing, das sie sich mit den ersten Zupfern mitten in der Nacht angekündigt haben. Man(n) ist entsprechend schlaftrunken und wird bei den Worten der Frau: „Schatz, es geht los.“ instant panisch (vor allen Dingen bei der ersten Geburt), Urinstinkte werden wach, sollte zufälligerweise ein Säbelzahntiger vorbeikommen kann selbst der schmächtigste Kerl diesen mit bloßen Händen erwürgen.

Nach dem ersten Schock und dem darauffolgenden ersten Kaffee hat man bei der Hausgeburt als Mann den großen Vorteil, dass man bei adäquater Vorbereitung erstmal entsprechend wenig zu tun hat. Man macht große Mengen Wasser warm und kuckt bei den ersten Wehchen der Frau immer wieder mal auf die Uhr um die Abstände und die Dauer zu checken – herrlich, wie Zahlen beruhigen können, besonders mich als Ingenieur.

die.hausgeburt.aus.mannersichtKurz zu den äußeren Umständen. Wir haben uns schon bei Nr.1 für eine Hausgeburt entschieden. Gründe dafür gibt es viele, aber das muss jeder im Endeffekt selbst für sich entscheiden.

Wir haben eine Hebamme in der Familie, die uns durch die Geburten begleitet hat. Das Krankenhaus ist für Notfälle etwa 500 Meter entfernt. Wir haben uns im Wohnzimmer einen Geburtspool aufgestellt und ein paar Kleinigkeiten besorgt, die man halt so für eine Geburt braucht (erstaunlich wenig).

Eine Liste dafür gibts bei jeder Hebamme (Anm. Mary: Oder gleich hier auf dem Blog unter Checkliste Hausgeburt 😉, falls ihr euch auch für eine Hausgeburt entscheiden solltet, was ich jedem empfehlen kann … bei Fragen könnt ihr mich auch gerne zu jeder Zeit anschreiben.

Jetzt zur Geburt an sich selbst.

Liebe Männer – vergesst alles, was euch von außen eingeredet wird. Es ist weder eine Mischung aus dem Texas-Chainsaw-Masssacre noch ist es ein Spaziergang durch eine Blumenwiese. Was da am Ende in euren Armen liegt, ist EUER KIND und der Weg dorthin bzw. die letzten Schritte sind eurer Frau vorbehalten. Alles was ihr tun könnt, ist dabei sein und alles rundherum besorgen, um es eurer Frau so leicht wie möglich zu machen.

Im Verlauf einer Geburt werdet ihr feststellen, dass das, was eure Frau da vollbringt, wahrste Schwerstarbeit ist. Ihr seid also derjenige, der als Anker dasteht und auffängt, was so alles an Widrigkeiten drumherum auftauchen kann. Wichtig ist aber vor allen Dingen eins. Ruhe bewahren.
Ruhe bedeutet für mich persönlich immer, sicher sein in dem, was ich tue.

Entsprechend wusste ich, wenn die Wehen sichtbar stärker werden und die Abstände kürzer werden, rufe ich meine Schwägerin die Hebamme. Ich heize unseren Geburtspool an, versorge meine Frau mit dem zu essen und zu trinken, was sie gerade will und bin einfach nur da. Mehr kann Mann nämlich leider nicht tun … da hilft weder ein Medizinstudium noch die vollausgestattete Werkstatt.

Seid euch sicher, eure Frau schafft das. Jede Frau ist von Grund auf dazu veranlagt ein Kind ganz einfach auf die Welt zu bringen. Je mehr Zuversicht und Vertrauen ihr in eure Frau habt, umso mehr Sicherheit gebt ihr eurer Frau in diesem Moment und umso leichter fällt es ihr selbst, einfach loszulassen und zu entspannen.

Als mein Sohn geboren wurde, saß meine Frau in dem Geburtspool in unserem Wohnzimmer, das Wasser war warm, ein Feuer knisterte im Kamin, außer uns beiden war nur meine Schwägerin als Hebamme noch mit dabei. Die Wehen wurden merklich stärker … bekam ich dadurch zu spüren, dass die Arme um meinen Hals sich deutlich anspannten … ich stand hinter meiner Frau und hatte meine Arme unter ihren und auf einmal tauchte aus dem Wasser in den Händen meiner Schwägerin mein Sohn auf.

Klingt unspektakulär? Ist es nicht … es ist eins der intensivsten Erlebnisse, die ich jemals hatte und ich muss gestehen, ich habe geheult wie ein kleines Baby.

Eine Geburt ist spannend. Verfolgt sie live … nicht durch das Objektiv einer Linse. Haltet die Hand eurer Frau, massiert ihr den Rücken, haltet sie, seid einfach da.

Warum ich nicht mehr zur Geburt aus der Sicht eines Mannes schreiben kann? Weil da kaum etwas ist, was Mann mehr tun kann … Mann ist da … Mann sorgt für die Frau und was EURE Frau will, kommuniziert sie euch in dem Moment wahrscheinlich sehr deutlich.

Ein Tipp am Rande, macht keine Witze während der Geburt um die Stimmung zu lockern …. kommt nicht gut an.

Eine Geburt muss nicht schmerzhaft sein !

die.hausgeburt.aus.mannersichtWas ich bei der Geburt meiner Tochter bzw. davor lernen durfte … je entspannter die Frau ist, umso leichter wird so eine Geburt. Eine Geburt muss nämlich nicht, wie das Fernsehen und die Gesellschaft uns vorgaukeln, unsäglich schmerzhaft sein. Stichwort hier Hypnobirthing.

Auch meine Tochter kündigte sich mitten in der Nacht an. Die besondere Krux hierbei, wir schliefen damals und schlafen auch bis dato noch in einem großen Familienbett. Jetzt war neben dem auf die Uhr kucken wie die Wehen so kommen auch noch der Faktor Kind Nr. 1 gefragt. Kind so lang wie möglich schlafend halten, gleichzeitig auch um die Frau kümmern, rechtzeitig der Hebamme Bescheid geben, wenn der Große aufwacht die Babysitter alarmieren, um sich weiter um die Frau kümmern zu können, Geburtspool anheizen, Feuer machen, alles herrichten usw…

Die Geburt meiner Tochter ging schon mal deutlich schneller voran als die meines Sohnes. Der Pool blieb hier sogar vollkommen ungenutzt. Ich dachte, es wäre gerade eine ruhige Minute, der Große war versorgt und wenn es so lang dauert wie beim Ersten, dann kann es sich ja noch ein wenig ziehen. Ich wollte mir gerade einen Kaffee machen da kam auf einmal der Ruf aus dem Schlafzimmer, das ich Sekunden zuvor verlassen hatte …

„Schau dass du herkommst, das Kind kommt!“

Ich setzte mich hinter meine Frau, hielt sie wie beim erstem Mal fest und …. zack, war das Kind da … es war total surreal …

Klingt wieder unspektakulär? Jein … es heißt ja, dass es beim zweiten Kind ohnehin leichter geht. Wir hatten außerdem zusätzlich einen Hypnobirthingkurs besucht (da ist es sogar extrem sinnvoll, dass der Mann dabei ist, da dieser als Begleiter ganz wesentlich mit zur Selbsthypnose und Entspannung der Frau beiträgt).

Es war aber allein dadurch schon „unspektakulärer“, da es so unglaublich schnell ging und mir gar nicht die Zeit blieb emotional so in Fahrt zu kommen während der Geburt … das ging erst danach richtig los …

Jedenfalls möchte ich euch mit diesen zwei Geburtserlebnissen eins näher bringen … ruhig bleiben. Eine Geburt ist das natürlichste der Welt … eine Geburt muss nicht zwangsläufig für die Frau in quälenden Schmerzen enden und ihr bekommt als Mann auch nicht auf jeden Fall eine gebrochene Hand oder eine saftige Ohrfeige … eine Geburt ist kein Massaker (zumindest eine Hausgeburt nicht).

Nur damit ihr jetzt nicht sagt, ich hätte euch nicht gewarnt, trotzdem noch … die Geburt eures Kindes wird euch überwältigen – insbesondere emotional … und ja, es ist auch ein wenig Blut zu sehen (Anm. Mary: Das muss aber auch nicht sein 😉 … meine Güte, kommt damit klar, eure Vorfahren haben mit Speeren Mammuts gejagt …

Ach ja … und wenn ihr euch darauf vorbereiten wollt die Nabelschnur durchzuschneiden … nehmt mal eine Haushaltsschere und schneidet einen Gartenschlauch durch …

Noch Fragen? Schreibt mir!!!


20150518_114622Über den Gastautor

Hallo zusammen, ich bin der Bernd, Baujahr 83, verheiratet mit Bettina aus dem Trageartikel, Vater von zwei herrlich verzogenen Kindern (Bua Bj 2012, Moidla Bj 2014), Ingenieur, Öko aber Esoterikresistent (hier höre ich meine Frau bereits jetzt laut lachen), Pfadfinder, handwerklich begabter Problemlöser und Kopf von www.kind-und-glueckich.de unserem aktuell startenden Blog rund um reisen – bauen – leben und lieben mit Kind/ern. Außerdem schreibe ich gerade an dem Online-Geburtsvorbereitungskurs für Männer – den gibts nämlich noch nicht und unser Geschlecht wird entweder mit zum Hechelkurs für „Paare“ geschleppt oder ist komplett auf sich allein gestellt.

Hey, ich bin Mary Mattiolo!

Geboren 1989, Querdenkerin, Veganerin, Rebellin und Mama von einer Tochter (2007) und zwei Söhnen (2010 und 2012), allesamt Freilernerreise seit 2016 im Bus um die Welt und verzaubere als WebdesignerinFunnel-Expertin und Technik-Nerd die Köpfe der Menschen!

Ich helfe Online-Unternehmerinnen, meist Müttern, die weniger Aufwand für die Kundengewinnung, dafür mehr Zeit für ihr Business und vor allem ihre Familie wollen, durch Funnel-Marketing immer wiederkehrende Prozesse zu automatisieren, sowie durch gezielte Funnel, aus Interessenten Kunden zu machen!