Side
 

Folgeschwangerschaft


Folgeschwangerschaft

962 Tage sind es heute.
962 Tage sind vergangen, als ich deinen Körper das erste Mal in meinen Armen hielt.
Deinen kleinen Körper mit diesen süßen winzigen Fingern und diesen perfekt geformten Füßen spüren und bestaunen durfte.
962 Tage sind vergangen, als ich deinen Körper das letzte Mal bei mir haben konnte.
DU – warst schon voraus gegangen.

Mit dir erlebte ich meine 4. Schwangerschaft, die ich voller Urvertrauen und (Vor-) Freude erfahren habe.
Bis zu diesem einen Moment. Der Moment, an dem man mir sagte, was ich insgeheim schon wusste aber nie und nimmer wahrhaben wollte: dein Herz hatte aufgehört zu schlagen.

„Guter Hoffnung sein“ – ja, das sollte man in einer Schwangerschaft. Da spricht der Volksmund wahre Worte.
Doch wie schafft man es voller guter Hoffnung in der nächsten Schwangerschaft zu sein, nachdem man zuvor mit leerem Bauch ein Kind verabschiedet hatte, das niemals wirklich begrüßt wurde?

Wie geht das in einer sogenannten „Folgeschwangerschaft?“
Was bedeutet dieser Begriff „Folgeschwangerschaft“ überhaupt?

Unter einer „Folgeschwangerschaft“ versteht man automatisch eine Schwangerschaft, deren schon mindestens eine Schwangerschaft voran gegangen ist.
Hier ist eine Schwangerschaft gemeint, die nach dem Verlust eines oder mehrerer Kinder folgt.
Es macht keinen Unterschied, ob der Verlust

  • in den ersten Wochen einer Schwangerschaft (medizinisch Fehlgeburt)
  • im weiteren Verlauf der Schwangerschaft (medizinisch Totgeburt)
  • oder durch den Tod eines lebend geborenen Kindes

geschehen ist. Egal wann eine Frau den Verlust eines Kindes erlebt hat, sie hat den Tod ihres Kindes zu 100% erlebt. Für sie macht es keinen Unterschied, dass die Statistik sagt, die Wiederholungswahrscheinlichkeit eines erneuten Verlustes sei relativ gering.

„Die Zeit heilt alle Wunden“

Körperliche Wunden sind meist schnell verheilt, der Wochenfluss versiegt, wie auch die Milch in der Brust, die niemals nähren durfte.
Was bleibt sind Unsicherheit, Angst, Schuldgefühle und ein stark verletztes Urvertrauen.

Das Schlimmste aber, aus meiner Sicht, ist diese unbändige tiefe Sehnsucht nach diesem „verlorenen“ Kind. Eine Sehnsucht, die starke körperliche und seelische Schmerzen verursacht und einem die Luft zum Atmen nimmt.
Sehnsucht nach diesem einen Kind, die in jedem Moment schwächer wird aber nie wieder erlischt.
Aber ja, die Zeit heilt auch alle anderen Wunden, doch die Narben, wie auch die Sehnsucht bleiben für immer.

Mein Weg zur Folgeschwangerschaft

Als ich meinen kleinen Engel in der 32. SSW tot geboren und somit alle meine Hoffnungen, Wünsche & Träume für ihn und uns als Familie mit ihm begraben hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, wie dieser Schmerz über seinen Verlust jemals enden sollte.

Sehr schnell aber wurde mir klar – und mein Partner fühlte zum Glück genauso – dass wir so schnell wie möglich wieder schwanger werden wollten.
Nicht, um diese zuvor entstandene Wunde zu schließen, denn das wäre nicht möglich, sondern um unsere Familie komplett zu machen.
Beide hatten wir das starke Gefühl, das dringende Bedürfnis, eine weitere Seele in unserer Familie willkommen zu heißen.
Ich wollte nicht warten, es hätte sich nichts für mich verändert.

 

Die Gefühle in der Schwangerschaft, die man nach dem Tod eines Kindes empfindet, haben nichts mit dem Zeitpunkt einer erneuten Schwangerschaft zu tun. Sie bleiben zu jedem Zeitpunkt ident.

Schon drei Monate nach der Geburt meines Engels war ich wieder „guter Hoffnung“.
Zu dieser Freude über das Erwarten meines Kindes gesellten sich „Kameraden“, die mich die gesamte Schwangerschaft nicht verließen: Unsicherheit, tiefgehende Angst, Traurigkeit, Sehnsucht.

Noch dazu ohne Vertrauen in die eigene Intuition und den eigenen Körper sein, völlig losgelöst von etwas leben, das mir bisher immer zur Seite stand – mein weibliches Urvertrauen.

Die ersten 15 Wochen meiner neuen Schwangerschaft, bevor ich mein Baby das 1. Mal spüren konnte, verbrachte ich in völliger Ungewissheit und Unsicherheit.
Am liebsten wäre ich täglich zu meinem Arzt gefahren um mir ein „alles in Ordnung, das Herz schlägt“ abzuholen.
Danach habe ich ständig mitgezählt, wie oft sich mein Baby pro Tag bewegt.
Am Ende der Schwangerschaft war ich zweimal im Krankenhaus, da ich glaubte, mein Baby hätte sich nicht mehr gerührt.
Ich, ein Mensch der immer sehr gefühlsbetont, in seiner Intuition lebte, konnte mir selbst plötzlich nicht mehr trauen.

Ende gut – (fast) alles gut

Mein Baby, ein Bub, wurde zweieinhalb Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, ganz entspannt, mitten am Nachmittag, zu Hause in unserem Wohnzimmer, geboren.
Er selbst war so ruhig, entspannt & gelassen, dass sich die Hebamme vergewissern musste, dass er auch atmet. Er lag auf meiner Brust und war DA.

Ich hatte es geschafft!

Trotz dieser vielen Ängste und Unsicherheiten hatte ich es geschafft eine weitere Schwangerschaft „durchzustehen“ und dabei voll und ganz für mein Baby da zu sein.
Vielleicht wäre es einfacher gewesen, während der Schwangerschaft wenig Bindung  zu dem Baby im Bauch aufzubauen, doch das war nicht mein Weg.

Mir war es enorm wichtig, mich sehr intensiv meinem Babybauch zu widmen, so durchdringend wie niemals zuvor in einer meiner vier vorangegangenen Schwangerschaften.
Warum?
Ich habe in diesem Bewusstsein gelebt, dass jeder Tag der letzte mit meinem Ungeborenen hätte sein können. Und diesem Baby wollte ich so viele schöne Tage mit mir schenken wie möglich, solange es bei mir ist, egal wie lange.

Dabei durchdrangen mich auch viele Schuldgefühle, da ich mein Ungeborenes Tag für Tag meinen Ängsten und Unsicherheiten aussetzte.

Ich entwickelte eine Art „Schutz“ für das Leben in meinem Bauch und ich bin mir sicher, dass es der Grund dafür ist, dass mein Sohn jetzt so unglaublich gelassen und geerdet ist.

In dieser schwierigen Zeit war es mir wichtig, dass nur ICH diese Schwangerschaft „trage“ und meinem Sohn alles biete, was er für seine Entwicklung und sein Ankommen benötigt, ohne selbst meine Ängste „mittragen“ zu müssen.
Ich wollte ihm auf keinen Fall „mein Trauma, meine Bürde“ aufhalsen.

Eine Schutzblase in Gold und Grün und Rosa …

folgeschwangerschaft

Ich stellte mir vor, ich meditierte es richtiggehend, dass mein Baby im Mutterleib in einer goldenen Blase heranwächst. Diese goldene Blase schützt ihn vor allen negativen Einflüssen, wie meinen Ängsten und negativen Gedanken, und lässt sie an der Außenseite abprallen.
Rein die Liebe, schöne Gedanken und Gefühle durchdringen die goldene Schutzhaut und dringen zu ihm durch.
Immer wenn ich mir vorstellte, mein Baby könnte sich nicht optimal entwickeln oder gar schlimmeres, schickte ich ihm grünes Licht zur Heilung in seine goldenen Blase. Das grüne Licht harmonisiert und heilt und ist dort zur Stelle, wo es gebraucht wird.
Das Ungeborene selbst, ist in rosa Licht eingehüllt. Dieses Licht steht für die reine Liebe und vollste Geborgenheit.

Ich fand dieses Bild wunderschön und es hat mich selbst dabei unterstützt, hoffnungsvoller, heiler und geborgener den Weg bis zur Geburt meines Babys zu gehen.

Jorin ist jetzt 21 Monate alt. So einfach und schön seine Geburt war, so einfach und schön ist es ihn zu begleiten. Er ist ein wahrhaftiger Sonnenschein und hat unsere Familie komplett gemacht. Seine Gelassenheit hat er stets bewahrt und die Freude, die er ausstrahlt ist unbezahlbar.

Unser Engel Orell ist auf andere Weise immer bei uns.

In Liebe, Moana


Über die Gastautorin

Ich bin Moana, Mutter aus Leidenschaft von vier Kindern (im Herzen fünf) im Alter von fast 2 – 16 Jahren. Neben meiner Leidenschaft für gesundes schmackhaftes Essen, liegt mir bindungsorientiertes Elternsein sowie das intuitive Begleiten von (meinen) Kindern sehr am Herzen.

Auf meinem Blog KochenfuerKinder.com berichte ich von meinen Erfahrungen mit meinen Kindern, dem Umstieg zur veganen Kost, das Leben mit unterschiedlichen Ernährungsformen in unserer Familie, Küchenexperimenten und meinen Erkenntnissen aus der Rohkost- und Vollwertwelt.

Hey, ich bin Mary Mattiolo!

Geboren 1989, Querdenkerin, Veganerin, Rebellin und Mama von einer Tochter (2007) und zwei Söhnen (2010 und 2012), allesamt Freilernerreise seit 2016 im Bus um die Welt und verzaubere als WebdesignerinFunnel-Expertin und Technik-Nerd die Köpfe der Menschen!

Ich helfe Online-Unternehmerinnen, meist Müttern, die weniger Aufwand für die Kundengewinnung, dafür mehr Zeit für ihr Business und vor allem ihre Familie wollen, durch Funnel-Marketing immer wiederkehrende Prozesse zu automatisieren, sowie durch gezielte Funnel, aus Interessenten Kunden zu machen!