Reif für die Insel – das europäische Freilerner – El Dorado

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Reif für die Insel – das europäische Freilerner-El Dorado

Der Beschluss zum Langzeitreisen fiel sehr spontan – was aber relativ schnell klar war, wir wollen unbedingt auch nach England ! Warum ? Nun ja – zum einen ist es eins meiner Herzensländer. An Ländern, in die ich dauerhaft auswandern würde, steht England ganz weit oben auf der Liste. Nicht zwingend, weil es da so toll ist (das teilweise auch;-)), aber ihr kennt das, oder ? Es gibt solche Orte des Herzens, mit manchen Orten resoniert man einfach, da zieht es einen hin, da ist einfach subjektiv alles gut, denen „verzeiht“ man auch so manches (im Falle Großbritanniens sind das für mich schon Essen und Wetter …), die werden einfach irgendwie geliebt. Sowas ist für mich England, und Irland ein wenig, und der Gatte liebt Schottland. Es wurde auch einfach mal Zeit, das geliebte Land endlich wiederzusehen, früher war ich öfter und länger da. Nun gut.

Leben ohne Schule mit Tradition

Ja, und dann ist gerade England schon ein Land in Europa, in dem für Freilerner ein sehr guter Wind weht. Hier gibt es tatsächlich Leben ohne Schule mit Tradition seit Jahrzehnten. Tendenziell sehen viele Briten es wohl so, dass niemand, erst recht nicht der Staat, das Recht hat, per Generalverdacht in ihre Familien einzugreifen und wollen sich da keine Vorschriften machen lassen, auch jene, die nun niemals ihr Kind zuhause lassen würden oder Home Education eher ablehnen. Da erscheint eine generelle Schulanwesenheitspflicht wie in Deutschland völlig abstrus. Auch hier ist es teilweise ortsabhängig, auch hier gibt es teilweise Ausnahmen, die dann auch teilweise Wellen schlagen. Aber so insgesamt betrachtet … die meisten Argumente, die in Deutschland als schwierig angesehen werden, spielen bei den Briten keine so große Rolle, obwohl diejenigen, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, freilich auch dort eine kleine Minderheit sind.  Und doch – es gibt in den meisten Orten bzw. in der Nähe Gruppen, in denen sich die Home Educator (erstmal unabhängig davon, aus welchen Gründen das Kind keine Schule besucht – ob Homeschooler, Unschooler, aus Mobbing – oder gesundheitlichen Gründen etc.) meist aus allen sozialen Schichten treffen und in denen es gemeinsame Unternehmungen oder Angebote gibt.

Die Sozialisationsfrage wirkt dort für mich z.B. völlig grotesk, auch wenn sie freilich selbst dort gestellt wird. Registrieren muss man sich nicht, wenn das Kind nie in der Schule war, oft kommt allerdings der Sozialdienst / Social Service dann irgendwie doch mal vorbei oder wird von einem wohlmeinenden Nachbarn geschickt. Wie (und ob überhaupt ;-)) mensch das nun bewertet, da gibt es natürlich verschiedene Ansätze, aber zumindest ist es ein Argument für jene, die meinen, wenn ein Kind nicht die Schule besucht, verwahrlose es zuhause unbemerkt.

Home Education Summer Festival

Wir starteten unsere Zeit auf der Insel so ziemlich mit dem HESFES, dem Home Education Summer Festival. Es ist wohl das größte Festival dieser Art in Europa. Da finden sich Jahr für Jahr mehrere tausend Home Educator, tendenziell wohl viele inzwischen eher aus der Richtung des Unschooling/Informal Learning, aller Altersgruppen aus Großbritannien und inzwischen auch viele aus dem Rest von Europa zusammen.  Da sieht man auch das, was alle Interessierten immer und überall anzieht wie Obsttorte im August die Wespen: junge Menschen aus Freilernhaltung, die älter als 14 oder sogar älter als 20 sind und kann ihnen all jene Fragen stellen, die das eigene “Vertrauen können”  so oft verhindern oder stören.

Einschließlich der Frage aller Fragen: was wird aus jungen Menschen, die nicht zur Schule gegangen sind?? Wir genossen diese Zeit sehr, das war ein solch riesiger Fundus an Mentoren, an Ausprobieren und Lernen können – ob Nähen, ob ein Theaterstück einstudieren, kreatives Schreiben, spielen, naturwissenschaftliche Themen einmal anders aufbereitet, drechseln oder schon als Mini-Mensch mit einem Imkeranzug tausende von Bienen besuchen oder vieles andere mehr.
Einige Kontakte hatte ich schon vorher ausgemacht, davon auch manches in England, denn europaweit war zumindest das über Social Media verbreitete und findbare Freilernreisen noch nicht ganz so verbreitet wie jetzt, so mein Gefühl. Jedenfalls gab es in England einige, die uns schon vorher eingeladen hatten, weitere kamen auf dem HESFES hinzu. Das war auch sehr praktisch so, denn in England ist das Wildcampen meist nicht so einfach; erst recht nicht, wenn man wie wir dort die meiste Zeit mit 3 Familien, 8 Kindern außerhalb und einem innerhalb des Bauches, und mit einer addierten Gespannlänge von über 30 m unterwegs ist. Auch braucht es letztlich doch oft Platz, die Kinder müssen raus können, und beim Leben in Wohnmobil oder Wohnwagen ist es halt eben schon so, dass die alltäglichen Verrichtungen wie Waschen, Spülen, Kochen für mehrere Menschen eine gewisse Zeit brauchen. Das ist ein bisschen Zen, aber nimmt halt eben schon einen ordentlichen Teil des Tages ein.

Ein selbstbestimmtes Leben

Alles Wichtige haben wir sowieso immer dabei – so gewann unsere Kindergruppe in Wales bei einem Kostümwettbewerb einer viktorianischen Woche (die Kinder wollten das so….) einen Preis. Kein Problem, Prinzessinnen und Piraten haben natürlich auch auf ca. 10 qm ihre notwendige Ausstattung dabei und sind allzeit bereit 😉
Bereits vorher vom Süden Europas aus waren wir seit längerem in Kontakt mit einer Unschooler-Gemeinschaft im Süden Englands. Unschooler-Gemeinschaft, wow, ist ja nun nicht gerade ein allzu häufiges Phänomen. Und schließlich beschäftigten wir uns ja auch mit diesen Themen, außerdem war eine mögliche Auswanderung ja auch nie ganz ausgeschlossen. Da ging es dann also hin und wir verbrachten eine intensive Zeit mit sehr intensiven Gesprächen, teilweise auch sehr intensivem Regen und natürlich auch in einer wunderbaren Landschaft. Heute gibt es diese Gemeinschaft in dieser Form leider nicht mehr, wie es manchmal eben auch geschieht, wenn große Ideen und Träume zusammenkommen.
Sehr berührt hat mich unser Besuch bei einer Familie in Wales. Eine alleinerziehende Mama mit drei ohne Schule lernenden Kindern, das Älteste beeinträchtigt, er könnte wohl sicher keine „Regelschule“ besuchen. Kaum Geld, und auch ansonsten erfüllten sie wohl manches Klischee. Sie luden uns ein in die walisische Natur, quer durch die Republik, und zeigten uns so viel, führten uns ein in ihre Art der Home Education, vermittelten uns schließlich einen Aufenthalt auf einer Pferdefarm in der Nähe von London. Die Familie bekommt hin- und wieder Besuch und Unterstützung vom Social Service, um ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen, sind eingebunden in eine Home Education Gruppe, obwohl sie sehr abgelegen wohnen. Für mein Empfinden führten sie tatsächlich ein selbstbestimmtes und freies Leben. Auch der große Sohn ist integriert, er tut, was er eben tun kann und kann seine Eigenheiten nutzen und jeder kann auf sie eingehen. Sie haben ihr soziales Leben. Ich dachte oft daran, wie es einer Familie wie dieser wohl in Deutschland mit der Schulpflicht erginge – und ich hatte und habe das feste Gefühl, dass es im Großen und Ganzen auch objektiv betrachtet wesentlich schlechter gewesen wäre, bei gleichzeitig in jeder Hinsicht höherer Belastung für alle – und auch höheren Kosten für das Gemeinwesen.
Mit einigen Menschen, die uns in England und Wales begegnet sind, haben wir immer noch Kontakt, und die Insel wird sicher auch auf künftigen Reisen oder was immer da irgendwann kommen mag eine Rolle spielen.


Über die Gastautorin

Lena Busch hat den Ausstieg aus der Komfortzone gewagt und ist mit Mann und drei Kindern einschliesslich Baby vom 120 qm – Haus für ein Jahr auf 10 qm Wohnmobil inkl. Fahrerkabine gewechselt und ohne vorherige Campingerfahrung durch Europa gereist.
Sie nutzten fast nie Campingplätze, blieben stehen wo es schön ist, besuchten Freilerner.
Die Hochsensibilität der Tochter und familiäre Bindungen liessen sie dann zunächst zurückkehren.
Lena berät zu alternativen Familienthemen und Fragen selbstbestimmter Bildung unter www.FamilienLeicht.de und www.Freilern-Blog.de
und veranstaltet im Frühjahr 2016 den 1. internationalen Online-Bildungskongress für freies Lernen und selbstbestimmte Bildung (www.BildungsKongress.com).

Ich bin Mary Mattiolo

Lifestylehackerin, dreifache Alleingeburts-Mama von Freilernern, Schulabbrecherin, Querdenkerin, freiheitsliebend und vegan.

Seit Mai 2016 im Bus lebend und reisend unterwegs und Coach für:

  • Online-Business und Start-ups
  • Webdesign und Marketing
  • LifeStyle-Hacking
  • Auswandern und Freilernen

Ohne einen Cent oder andere Sicherheiten sind wir losgezogen. Alles was wir besitzen, haben wir dabei. Wir leben staatenlos und lieben es! Und auch Du kannst das – wenn Du es willst!

1 Comment
  • Daniela Maigua
    Veröffentlicht am 17:01h, 21 Januar Antworten

    Toll. Und sehr interessant. Liebe Grüße von der Freilerner Family aus Ecuador (zur Zeit).

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